Studien & Analysen zur Ladeinfrastruktur in Deutschland
Die Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur initiiert Studien und führt umfassende Daten- und Marktanalysen zum Ausbau und Betrieb öffentlicher sowie privater Ladeinfrastruktur durch.
Ziel ist es, den aktuellen Stand der Ladeinfrastruktur in Deutschland genau zu erfassen, Herausforderungen frühzeitig zu erkennen und den zukünftigen Bedarf fundiert zu bestimmen.
Die Ergebnisse liefern eine wichtige Grundlage für politische Entscheidungen, Förderprogramme und die strategische Weiterentwicklung der Elektromobilität. Eine Übersicht über unsere Studien und Analysen finden Sie hier.
Studien – Wissenschaftliche Grundlagen für den Ausbau
Die Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur gibt Studien in Auftrag oder erstellt diese selbst, wenn zu zentralen Fragestellungen rund um den Ausbau der Ladeinfrastruktur bislang keine ausreichenden Daten oder belastbaren Erkenntnisse vorliegen. Die Studien liefern fundierte Szenarien, Analysen und Handlungsempfehlungen und bilden damit eine wichtige Entscheidungsgrundlage für Politik, Wirtschaft und Verwaltung.
Ein Beispiel dafür sind die Studien „Ladeinfrastruktur nach 2025/20230: Szenarien für den Markhochladen“ und „Einfach zu Hause laden“
Die Studie „Ladeinfrastruktur nach 2025/2030: Szenarien für den Markthochlauf“ (aktualisierte Neuauflage November 2024) ermittelt den Ladebedarf in Deutschland bis 2030.
Das Reiner Lemoine Institut (RLI) hat gemeinsam mit der Leitstelle das Modell der Neuauflage 2024 weiterentwickelt und die Berechnung durchgeführt. Die Ergebnisse der Studie liefern eine wichtige Datengrundlade für die Bedarfsermittlung im StandortTOOL. Eine wichtige Grundlage dieser Studie ist die von der NOW GmbH im April 2024 veröffentlichte Herstellerbefragung zu Marktentwicklung und Technologietrends bei E-Pkws.
Die wichtigsten Erkenntnisse:
- In der Studie wird je nach Szenario eine installierte Ladeleistung von 15,7 bis 22,6 GW ermittelt.
- Das entspricht einem Bedarf von 380.000 bis 680.000 öffentlich zugänglichen Ladepunkten, davon 55.000 bis 90.000 HPC-Ladepunkte über 150 kW Ladeleistung. Im Referenzszenario, das die Basisannahmen kombiniert, ergibt sich ein Bedarf von 520.000 Ladepunkten, davon 68.000 HPC-Ladepunkte.
- Die in die E-Pkw verladene Menge an elektrischer Energie beziffert sich insgesamt auf 37,8 TWh – wobei öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur je nach Szenario einen Anteil zwischen 36 und 50 Prozent dieser Energie zur Verfügung stellen wird.
- Die Anzahl nicht öffentlich zugänglicher Ladepunkte zu Hause und in Unternehmen hat großen Einfluss auf die notwendige öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur.
- Das HPC-Szenario, bei dem ein Fokus auf HPC-Ladeinfrastruktur gelegt wird, reduziert die Gesamtzahl an benötigten öffentlich zugänglichen Ladepunkten bei wachsender Anzahl von HPC-Ladepunkten, wobei die installierte Ladeleistung gegenüber dem Referenzszenario recht konstant bleibt.
Die Studie „Einfach zu Hause laden“ gibt einen Einblick in das Ladeverhalten von Privatpersonen mit Elektrofahrzeug und eigener Wallbox.
Die wichtigsten Erkenntnisse für die Ladeinfrastruktur in Deutschland:
- Die allermeisten Ladevorgänge finden im nicht-öffentlichen Bereich an Privathaushalten oder auf Firmengeländen statt.
- Das Ladeverhalten wird sehr deutlich davon beeinflusst, ob eine Photovoltaik-Anlage vorhanden ist oder nicht.
- Den stärksten Einfluss auf die verladene Energiemenge zu Hause haben kostenfreie Ladeangebote am Arbeitsplatz – sie reduzieren den Anteil des heimischen Ladens am Gesamtladevolumen deutlich.
- Die detaillierten Rohdaten werden über die Mobilithek zur Verfügung gestellt.
Analysen – Datenbasierte Einblicke in den Markt
Neben Studien führt die Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur eigene Daten- und Marktanalysen wie die sogenannten Cleanroom-Gespräche durch und bereitet komplexe Sachverhalte rund um die Ladeinfrastruktur übersichtlich und verständlich auf. Die Ergebnisse werden beispielsweise in Form von Factsheets veröffentlicht.
Die Analyse basiert auf Daten von rund 28.000 geförderten öffentlich zugänglichen Ladepunkten und betrachtet den Zeitraum von 2018 bis 2024. Sie zeigt, wie sich die Nutzung öffentlicher Ladepunkte der Ladeinfrastruktur in Deutschland über mehrere Jahre entwickelt hat.
Zentrale Erkenntnisse:
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Die Nutzung öffentlicher Ladepunkte ist zwischen 2018 und 2022 kontinuierlich gestiegen und hat sich danach leicht stabilisiert.
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Ladepunkte sind durchschnittlich etwa 2,3 Stunden pro Tag belegt, was einer zeitlichen Auslastung von rund 10 % entspricht.
- Durchschnittswerte haben nur eine begrenzte Aussagekraft, da wesentliche Aspekte des komplexen Ladeverhaltens unberücksichtigt bleiben: die Auslastung hängt maßgeblich von der Tageszeit, vom Standort und mitunter von der Saison ab. So kann es auch bei einer niedrigen durchschnittlichen Auslastung zu deutlichen Spitzenwerten im Tagesverlauf kommen.
So werden Ladepunkte mittags am häufigsten genutzt, während die Auslastung nachts deutlich geringer ist. In Metropolen werden Ladepunkte insgesamt häufiger genutzt als in ländlichen Regionen. In Urlaubsregionen steigt die Auslastung während Ferienzeiten und an Feiertagen deutlich an.
Das Factsheet „Installierte Ladeleistung“ stellt die unterschiedlichen Berechnungsmöglichkeiten der installierten Ladeleistung transparent dar und dient damit als Grundlage für eine begriffliche Abgrenzung.
Cleanroom-Gespräche
Ein besonderes Instrument der Marktanalyse sind sogenannte Cleanroom-Gespräche. Dabei handelt es sich um eine vertrauliche und kartellrechtskonforme Befragung, die einen direkten Austausch zwischen der NOW GmbH und der Industrie im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums ermöglicht.
Die Gespräche ermöglichen auch den Austausch sensibler Datensätze und liefern wertvolle Einblicke in technologische Entwicklungen und Markttrends. Diese Informationen dienen der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur als Grundlage für die Bedarfsprognosen.
Das Cleanroom-Konzept wurde erstmals 2020 mit Pkw-Herstellern eingesetzt und wurde nach 2022/23 im Jahr 2025 bereits zum dritten Mal durchgeführt. Zudem wurde das Konzept auf weitere Bereiche übertragen, etwa auf Lkw-Hersteller sowie Betreiber von Ladeinfrastruktur, in deren Rahmen bereits mehrere Cleanroom-Gespräche stattfanden.
Klimafreundliche Pkw in Deutschland: Herstellerbefragung zu Absatzprognosen und Technologietrends 2025
Erschienen: April 2026
Die NOW GmbH hat zwischen Juli und September 2025 im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr Erhebungen mit deutschen und internationalen Pkw-Herstellern (OEMs) durchgeführt. Diese erfolgten kartellrechtskonform und umfassten persönliche Gespräche sowie eine strukturierte Datenabfrage zu Absatzprognosen für den Zeitraum 2026 bis 2030. Sie dient der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur als Grundlage für deren Bedarfsprognosen.
Marktentwicklung klimafreundlicher Technologien im schweren Straßengüterverkehr
Erschienen: November 2024
Die Auswertungen liefern wichtige Erkenntnisse für die Planung des Aufbaus von Tank- und Ladeinfrastruktur für emissionsfreie schwere Nutzfahrzeuge. Daneben stellen sie auch Informationen bereit, die als Grundlage für die Entscheidungen anderer für den Markthochlauf zentraler Akteure und Stakeholder dienen können. Dies sind neben Infrastrukturbereitstellenden und Energiewirtschaft insbesondere auch Anwender wie Transport-, Speditions- und Logistikunternehmen.